Kapitel 3 - Verbotene Liebe

| Marc Pelzer | Meletios Ioannidis

So hatte er sie noch nie gesehen. Gaemon hatte, rein aus Gewohnheit, den Tisch des Herzogs überprüft. Als er damit fertig war, schweifte sein Blick über den Saal. Da bemerkte er, dass Yaena, die Hofmagierin ihn anstarrte. Auch sein Blick blieb lange an ihr hängen. Sie war wunderschön und das wundervolle Kleid, welches sie trug verstärkte ihre Ausstrahlung noch. Erst nach einigen Sekunden wurde ihm bewusst, dass der Augenkontakt doch etwas intensiv war und beide drehten sich verlegen zur Seite. Er fühlte sich ertappt, fast schon peinlich, denn noch nie hatte er sich gegenüber ihr so verhalten. Bisher hatte er jedoch nie ihre Schönheit bemerkt, sondern war stehts, von seinen Pflichten geleitet, um die Sicherheit bedacht. Nun jedoch fühlte er sich als wär eine Grenze überschritten. Dabei war das Gefühl aber nicht negativ geprägt sondern sorgte eher für ein mulmiges, spannendes aber schönes Kribbeln im Bauch. Total in Gedanken verloren, hatte er nicht einmal gemerkt, dass die besagte Dame schon ans Buffet weitergezogen war.

Er blickte abermals zu dem Tisch, an dem nun der Herzog und seine auserwählten Gesprächspartner platzgenommen hatten. Alles schien in Ordnung. Dann erinnerte er sich, dass er heute ausnahmsweise gar nicht im Dienst war. Er durfte sich amüsieren. Und ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden, ganz nach Gefühl, schritt er auf das Buffet zu, an dem Yaena sich gerade befand. Sie bemerkte ihn und drehte ihren Blick. Ein weiterer intensiver Blickkontakt raubte ihm jedes Wort im Mund. Von Nahem sah sie noch viel schöner aus. Sein Blick sog alles in sich auf ihre perfekt geformten Lippen, der leichte Tain und die blau-grünen Augen, tief wie eine der wunderschönen Lagune vor Hazad.
"Ich bin Gemon", brachte er dann stammelnd hervor. Idiot - dachte er sich, klar weiss sie wer ich bin... Wir leben seid Jahren im selben Schloss. "Yaena, freut mich", antwortete sie erstaunlich selbstsicher und unterbrach den Augenkontakt.

Verrückt, die Luft zum Atmen entwich ihr, doch trotzdem hatte sie es geschafft schnell und sicher zu antworten. Das musste sie nutzen. Sie war aufgeregt. "Ich habe dich am Tisch des Herzogs bemerkt, du gehörst zur Wache oder?"
"Stimmt, ich bin der Hauptmann", stammelte er, "aber ich bin ausser Dienst, also können wir..." Yaena bemerkte, dass er verlegen wurde und beendete seinen Gedankengang: "Wollen wir auf den Balkon weiterreden? Dort sind wir etwas ungestörter." Er bejahte, sie schnappte sich den Teller und beide schritten Richtung Balkon. Dieser war ziemlich gross und verlief den ganzen Saal entlang an der rechten Seite, wobei alle 30 Fuss eine Türe nach draussen führte. Die Fackeln welche an den Aussenmauern befestigt waren, waren noch nicht angezündet worden. Stattdessen leuchteten die warmen Strahlen der Vormittagssonne auf den Balkon. Sie traten ans Geländer, von dem man den östlichen Innenhof überblicken konnte. Unten waren viele Bedienstete zügig unterwegs und gerade angekommene Gäste blickten aufgeregt umher Das alles ging allerdings komplett an den beiden oben Stehenden vorbei. Sie blickten sich abermals tief in die Augen und genossen den Moment.

Dann schoss Bitterkeit Gemon durch den Kopf. Er wusste, dass der Herzog ihn in den nächsten Jahren mit der Tochter eines seiner Grafen verheiraten wollte, um die Bindung der beiden Häuser zu stärken. Auch wenn das ein sozialer Aufstieg wäre, so wurde ihm klar, bedeutete es doch das er mit einer Frau zusammen sein würde, der er niemals so in die Augen schauen würde. Er hatte sie eher kalt und nervig in Erinnerung. Yaena fühlte sofort, dass etwas nicht stimmte: "Was ist los?"
Doch er beschloss den Moment nicht kaputt zu machen und stattdessen nach ihrer Hand zu greifen. Ihre weiche Haut liess ihn am ganzen Arm kribbeln. Langsam glitten ihre Finger zusammen und ihre Hände verschmolzen. So standen sie dort nah beieinander, ohne zu reden. Schauten in die Weite und nach einer gefühlten Ewigkeit, die beide nur darauf warteten, was passieren würde, küssten sie sich. Nicht intensiv oder gar stürmig, aber langsam, erwartungsvoll und voller Leidenschaft der zwei jungen Liebhaber.

Sie verbrachten noch eine Weile draussen, standen einfach nur da und genossen den besonderen Moment. Doch mit der Zeit wurde es Yaena kalt. Sie schlug vor wieder in den Saal zurückzukehren und auch Gemon hatte den Wind, der mit und mit die Kälte in die Kleider trug, schon gespürt. Als sie das Fest wieder betraten, hallte die gewohnte Geräuschkulisse durch das Gemäuer. Sie überblickten das Getümmel, doch blieb ihr Blick schnell stehen, denn keine zehn Meter vor ihnen stand der Herzog und beäugte sie mit zusammengekniffenen Augen. Sein Gesicht wurde zornig.