| Marc Pelzer | Ewan Smith
Tirion öffnete die Augen. Er sass wieder in der alten, modernden Hütte der Schamanin. Vor sich lag die Schale, aus welcher er das Elixier getrunken hatte. Offensichtlich war ihm diese nach der Trance aus den Fingern geglitten. Als er den Blick in Richtung der Schamanin schwenkte, erkannte er dass sie schwer atmete. Ihre Hände steckten in der Farbe, welche einen Kreis um den Magier schloss, und im Gesicht stand ihr der Schweiss. Die Farbe war nicht mehr weiss, wie am Anfang des Rituals, sondern schien verbraucht, matt-grau und qualmte leicht. Der ernste und fragende Ausdruck im Gesicht von Thuli drängte ihn zu einer Aussage. Sie wollte wissen, ob er etwas erfahren hatte. Tirion spüre diesen Druck. «Ich kann das Mädchen retten», sagte er lächelnd und mit Nachdruck. «Ich habe tatsächlich etwas erfahren. Habt ihr vielleicht ein Fell, welches ihr mir zur Verfügung stellen könntet?»
Man brachte ihm ein dickes Schafsfell und legte es vor ihm aus. Tirion starrte auf die gegerbte Rückseite des Fells und atmete tief aus. Er wusste was er zu tun hatte. Erzmeister van Keist hatte es genau erklärt und dazu einige Bilder gezeigt. Ein Tropfen Schweiss rann ihm die Stirn hinab. Alles hing davon ab diese Technik umzusetzen. Seine Hände hielt er einige Zentimeter über dem Schafsfell. Dann schloss er die Augen. Die anderen Anwesenden in der Hütte beäugten ihn stumm. Weiter Schweiss rann sein dreckiges Gesicht hinab. Innerlich visualisierte er die Handinnenflächen. Tausende von Spitzen liess er aus ihnen hervorschiessen. Er zog Potential zusammen und leitete es langsam im Rhythmus des Atems in die Hände. Dann, als das Potential fast schon zu bersten begann, setzte er es frei. Ein lautes Zischen ertönte den hölzernen Raum. Das Fell war nicht nur gerissen, es glimmte auch im schwachen Licht vor sich hin.
“Nicht aufgeben. Versucht es nochmal!”, forderte die Schamanin den jungen Magier auf. Dieser wollte einfach nur schreien. Wo war denn das Talent, welches sein Mentor in ihm gesehen hatte? Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er schlug auf den harten Boden. Doch er schrie nicht, noch nicht. “Ich brauche ein weiteres Fell bitte.” Man brachte ihm eines und breitete es vor dem verkohlten ersten aus. Dieses Mal jedoch zog Tirion sein Messer und teilte das Fell in vier Teile. Dann folgte ein zweiter Versuch. “Fein und präzise durchstechen, lass die Magie fein in einzelnen Stichen arbeiten”, erinnerte er sich der Worte des Erzmeisters. Das Fell zerriss erneut. Ein dritter Versuch: Wieder falsch, diesmal ging das Stück in Flammen auf. Die Schamanin löschte das Feuer, indem sie schnell etwas Wasser über den Brandherd schüttete. Sie blickte den Jungen an. Sein Gesicht war rot angelaufen. Schweiss rann über die Stirn und das Gesicht verharrte in einem Ausdruck von Wut und Verzweiflung. Sie konnte ihn nicht aufgeben lassen, denn es stand ein Leben auf dem Spiel. “Nehmt einen Schluck Wasser Magier.” Die Schamanin streckte ihm eine hölzerne Schale mit Wasser hin. Er vermied den Augenkontakt, nahm sie jedoch an und trank einen Schluck. Dann stellte er die halbvoll Schale vor sich auf den Boden.
“Natürlich!”, platzte es Tirion heraus. Er beobachtete das Wasser in der Schale, es schwappte in unruhigen Wellen gefährlich nahe an den Rand. In Wellen! Kein Atemzug verging, da hatte er sich ein weiteres Stück des Fells gepackt und hielt die Hände darüber. Er liess die tausenden Nadeln in den Händen nicht gleichzeitig auf und ab schiessen. Der Druck war so schlicht zu gross. Stattdessen konzentrierte er das Potential jetzt in Wellenförmigen Bewegungen über die Handinnenfläche. Es erklang kein Zischen, kein Bersten und er spürte keine Hitze einer aufflackernden Flamme. Das Fell war intakt, hatte jedoch auch keine merkbare Wandlung durchlaufen. Doch als er das Fell betastete, fühlte er etwas Seltsames. Das vorher noch steife und grobe Leder hatte nun eine weiche, flexible Oberfläche. Er drehte es um. Auch das Fell war intakt geblieben. Thuli schaute ihn fragend an. “Wo ist das Mädchen?”
Schnell gingen die Versammelten in eine der benachbarten Hütten. Diese war etwas kleiner als jene der Schamanin. Die verletzte Ja’nemeri lag mittig auf Schichten von Leinentüchern. Sie war zugedeckt. Es war unschwer zu erkennen, wie schlecht es um sie stand. Auf ein Zeichen der Schamanin hin, wurde die Decke entfernt und alle Personen verliessen den Raum. Nur die Schamanin und Magier blieben. Mit Erschrecken blickte Tirion auf den entblössten und entstellten Oberkörper des Mädchens. Die Quelle des Fluchs war dort immer noch am Pochen. Zwar standen duftende Kräuterkerzen im Raum doch war der faulende Geruch augenblicklich wahrnehmbar. Er schreckte zurück, musste sich fast übergeben. Die Auswüchse des Flüch hatten sich verlängert. “Ich werde sie retten”, ertönte die Stimme des jungen Magiers kaum hörbar in der Hütte. Innerlich jedoch mehrten sich Zweifel, ob es nicht bereits zu spät dafür sei. Die Alte antworte: “Hoffnung ist, was uns am Leben hält, wenn der Tod unausweichlich scheint. Verzweiflung ist, was uns hindert den Weg zu finden, welchen wir fürchten, verloren zu haben. Und Selbsthass ist, was schändlich aus Schuld entsteht, welche wir auf die eigenen Schultern legen, ohne sie zu verdienen.
Hoffnung möchte ich dir schenken, doch nehme ich Verzweiflung von dir und auch die Schande. Du tust mehr als wir verlangen dürften und hilfst über deine Grenzen hinaus. Sollte das Mädchen nicht in dieser Welt verbleiben, ist dies nicht deine Schuld.”
Tirion erhob den Blick, die Worte rührten ihn. Dann wurde es Zeit für die Behandlung. Die äussersten Enden der Auswüchse würden zuerst zerstört werden. Er würde gezielt auf die Stelle einwirken, und zwar so lange, bis sich das verfluchte Gewebe auflöste. Es dauerte nicht lange, da löste sich die erste Schicht der grünlich verfärbten Haut. Gut, es funktionierte! Thuli hatte sich ihm gegenüber gekniet und entfernte das gelöste Gewebe mit einem Tuch. Er machte weiter. Zwar lösten sich fehlerhafter Weise auch gesunde Stücke, doch versuchte Tirion mit aller Macht punktuell zu wirken. Umso näher er an die Quelle kam, umso tiefer ging die Infektion. Durch den tiefen Eingriff verlor das Mädchen eine Menge Blut. Thuli tat alles um den starken Blutverlust so gering wie möglich zu halten. Es dauerte lange, bis der Fluch aus dem Leib des Mädchens ausgebrannt war, doch sie schafften es. Der Magier triefte im Schweiss. Eine solche Anstrengung hatte er lange nicht mehr gehabt und als das letzte Stück, welches er vom Fluch erkennen konnte, entfernt war, fiel er erschöpft auf den hölzernen, harten Boden. Der fehlende Schlaf machte sich mit der Anstrengung gepaart bemerkbar. Das Schlimmste jedoch war, das seine magischen Speicher praktisch komplett geleert war. Er wollte einfach wieder aufrichten, doch ihn verliess die Kraft und er ohnmächtig.
Man brachte ihm ein dickes Schafsfell und legte es vor ihm aus. Tirion starrte auf die gegerbte Rückseite des Fells und atmete tief aus. Er wusste was er zu tun hatte. Erzmeister van Keist hatte es genau erklärt und dazu einige Bilder gezeigt. Ein Tropfen Schweiss rann ihm die Stirn hinab. Alles hing davon ab diese Technik umzusetzen. Seine Hände hielt er einige Zentimeter über dem Schafsfell. Dann schloss er die Augen. Die anderen Anwesenden in der Hütte beäugten ihn stumm. Weiter Schweiss rann sein dreckiges Gesicht hinab. Innerlich visualisierte er die Handinnenflächen. Tausende von Spitzen liess er aus ihnen hervorschiessen. Er zog Potential zusammen und leitete es langsam im Rhythmus des Atems in die Hände. Dann, als das Potential fast schon zu bersten begann, setzte er es frei. Ein lautes Zischen ertönte den hölzernen Raum. Das Fell war nicht nur gerissen, es glimmte auch im schwachen Licht vor sich hin.
“Nicht aufgeben. Versucht es nochmal!”, forderte die Schamanin den jungen Magier auf. Dieser wollte einfach nur schreien. Wo war denn das Talent, welches sein Mentor in ihm gesehen hatte? Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er schlug auf den harten Boden. Doch er schrie nicht, noch nicht. “Ich brauche ein weiteres Fell bitte.” Man brachte ihm eines und breitete es vor dem verkohlten ersten aus. Dieses Mal jedoch zog Tirion sein Messer und teilte das Fell in vier Teile. Dann folgte ein zweiter Versuch. “Fein und präzise durchstechen, lass die Magie fein in einzelnen Stichen arbeiten”, erinnerte er sich der Worte des Erzmeisters. Das Fell zerriss erneut. Ein dritter Versuch: Wieder falsch, diesmal ging das Stück in Flammen auf. Die Schamanin löschte das Feuer, indem sie schnell etwas Wasser über den Brandherd schüttete. Sie blickte den Jungen an. Sein Gesicht war rot angelaufen. Schweiss rann über die Stirn und das Gesicht verharrte in einem Ausdruck von Wut und Verzweiflung. Sie konnte ihn nicht aufgeben lassen, denn es stand ein Leben auf dem Spiel. “Nehmt einen Schluck Wasser Magier.” Die Schamanin streckte ihm eine hölzerne Schale mit Wasser hin. Er vermied den Augenkontakt, nahm sie jedoch an und trank einen Schluck. Dann stellte er die halbvoll Schale vor sich auf den Boden.
“Natürlich!”, platzte es Tirion heraus. Er beobachtete das Wasser in der Schale, es schwappte in unruhigen Wellen gefährlich nahe an den Rand. In Wellen! Kein Atemzug verging, da hatte er sich ein weiteres Stück des Fells gepackt und hielt die Hände darüber. Er liess die tausenden Nadeln in den Händen nicht gleichzeitig auf und ab schiessen. Der Druck war so schlicht zu gross. Stattdessen konzentrierte er das Potential jetzt in Wellenförmigen Bewegungen über die Handinnenfläche. Es erklang kein Zischen, kein Bersten und er spürte keine Hitze einer aufflackernden Flamme. Das Fell war intakt, hatte jedoch auch keine merkbare Wandlung durchlaufen. Doch als er das Fell betastete, fühlte er etwas Seltsames. Das vorher noch steife und grobe Leder hatte nun eine weiche, flexible Oberfläche. Er drehte es um. Auch das Fell war intakt geblieben. Thuli schaute ihn fragend an. “Wo ist das Mädchen?”
Schnell gingen die Versammelten in eine der benachbarten Hütten. Diese war etwas kleiner als jene der Schamanin. Die verletzte Ja’nemeri lag mittig auf Schichten von Leinentüchern. Sie war zugedeckt. Es war unschwer zu erkennen, wie schlecht es um sie stand. Auf ein Zeichen der Schamanin hin, wurde die Decke entfernt und alle Personen verliessen den Raum. Nur die Schamanin und Magier blieben. Mit Erschrecken blickte Tirion auf den entblössten und entstellten Oberkörper des Mädchens. Die Quelle des Fluchs war dort immer noch am Pochen. Zwar standen duftende Kräuterkerzen im Raum doch war der faulende Geruch augenblicklich wahrnehmbar. Er schreckte zurück, musste sich fast übergeben. Die Auswüchse des Flüch hatten sich verlängert. “Ich werde sie retten”, ertönte die Stimme des jungen Magiers kaum hörbar in der Hütte. Innerlich jedoch mehrten sich Zweifel, ob es nicht bereits zu spät dafür sei. Die Alte antworte: “Hoffnung ist, was uns am Leben hält, wenn der Tod unausweichlich scheint. Verzweiflung ist, was uns hindert den Weg zu finden, welchen wir fürchten, verloren zu haben. Und Selbsthass ist, was schändlich aus Schuld entsteht, welche wir auf die eigenen Schultern legen, ohne sie zu verdienen.
Hoffnung möchte ich dir schenken, doch nehme ich Verzweiflung von dir und auch die Schande. Du tust mehr als wir verlangen dürften und hilfst über deine Grenzen hinaus. Sollte das Mädchen nicht in dieser Welt verbleiben, ist dies nicht deine Schuld.”
Tirion erhob den Blick, die Worte rührten ihn. Dann wurde es Zeit für die Behandlung. Die äussersten Enden der Auswüchse würden zuerst zerstört werden. Er würde gezielt auf die Stelle einwirken, und zwar so lange, bis sich das verfluchte Gewebe auflöste. Es dauerte nicht lange, da löste sich die erste Schicht der grünlich verfärbten Haut. Gut, es funktionierte! Thuli hatte sich ihm gegenüber gekniet und entfernte das gelöste Gewebe mit einem Tuch. Er machte weiter. Zwar lösten sich fehlerhafter Weise auch gesunde Stücke, doch versuchte Tirion mit aller Macht punktuell zu wirken. Umso näher er an die Quelle kam, umso tiefer ging die Infektion. Durch den tiefen Eingriff verlor das Mädchen eine Menge Blut. Thuli tat alles um den starken Blutverlust so gering wie möglich zu halten. Es dauerte lange, bis der Fluch aus dem Leib des Mädchens ausgebrannt war, doch sie schafften es. Der Magier triefte im Schweiss. Eine solche Anstrengung hatte er lange nicht mehr gehabt und als das letzte Stück, welches er vom Fluch erkennen konnte, entfernt war, fiel er erschöpft auf den hölzernen, harten Boden. Der fehlende Schlaf machte sich mit der Anstrengung gepaart bemerkbar. Das Schlimmste jedoch war, das seine magischen Speicher praktisch komplett geleert war. Er wollte einfach wieder aufrichten, doch ihn verliess die Kraft und er ohnmächtig.
