| Marc Pelzer | Fabian Wiestner
Tief in den Steppen des Nordens lebte seit vielen hundert Jahren ein Stamm mit aussergewöhnlichen Leuten. Es hiess sie könnten die Magie nutzen, um mit Tieren zu reden und sie sich als Gefährten zu halten. Tirion glaubte nicht wirklich daran, er konnte aus der Magie Flamme und Hitze schaffen und wusste, dass auch magische Barrieren aufgebaut werden konnten. Jedoch mit Tieren zu sprechen, hielt er für nicht sehr realistisch. Da er nun ausgebildet war, hatte er beschlossen diesem Rätsel selbst auf den Grund zu gehen. Und sollte es tatsächlich stimmen, wer weiss, ob er nicht selber auch eine solche Begabung hatte?
Er war die letzte Woche gut vorangekommen. Vor ihm erstreckte sich nun die grosse nördliche Steppe von nichts als Hügeln, Stein und einigen Wäldchen geprägt lag diese Ebene vor dem mächtigen Gordoran Massiv. Es sollte nicht schwierig sein hier Menschen zu finden, dachte er sich. Einzig der leichte Nebel, der sich wie ein sanfter unendlicher Schleier über die Ebene erstreckte hinderte ihn daran sie vollends zu überblicken. Nur die wenigen Plateaus der höheren Hügel unterbrachen das gleichmässige Nebelbild. Tirion zog den Umhang enger, um dem Wind und der Kälte zu trotzen. Er schritt die Erhöhung herunter, auf der er stand und zog geradewegs in die Ebene hinein.
Nach einiger Zeit hörte er ein leises, kaum hörbares Rascheln in den Büschen. Zu laut für den Wind dachte er sich. Standardmässig liess er einen kleinen Feuerball in die Luft schiessen, der sich mit lautem Zischen in alle Richtungen ausbreitete, bis er schliesslich erlosch. Für gewöhnlich half das gegen wilde Tiere, denn sogar magische Tiere hatten Scheue vor dem Feuer. Jedoch hörte er statt eines davonstürmenden Wildes einen tiefen Schritt hinter sich. Tirion drehte sich augenblicklich um und zog Magie zusammen um schnellstmöglich handeln zu können. Es war schon am Start seiner Reise vorgekommen, dass man versucht hatte ihn zu überfallen und gefangen zu nehmen. Als er sich aber umgedreht hatte, blickte er in das Gesicht eines jungen Mädchens, welches sich sichtlich darüber freute, ihn überrascht zu haben. Nur mit Mühe konnte er das aufgebaute magische Potential in den Händen abschütteln, ohne ein Flammenmeer zu entfachen. Das Mädchen war etwas jünger als er selbst, hatte braune grobe Kleider an und trug ihre zerzausten Haare offen. «Was willst du hier?» fragte sie ihn mit leichtem aber ungeübt bedrohlichem Unterton. «Du hast mich ja ganz schön erschreckt Mädchen», stammelte Tirion, «Ich bin ein Wanderer und durchstreife die Gegend.» «Ein Wanderer? Hier gibt es keine Wanderer, erst recht keine welche Flammenkugeln verschiessen. Doch treiben sich düstere Gestalten in unserem Gebiet herum.» bemerkte das Mädchen. Unser Gebiet? Der Magier schmunzelte innerlich, das war ja einfacher als gedacht.
Er erklärte ihr, dass er auf der Suche nach einem Stamm von magisch Begabten sei. Abermals lächelte das Mädchen: «Schau doch mal hinter dich Junge». Er drehte sich fragend um und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Hinter ihm kauerte in bedrohlicher Stellung ein Wolf, bereit ihn anzufallen sollte es nötig sein. Er hatte ihn weder gehört noch gesehen.
Nach einigem Verhandeln stimmte das Mädchen, welches sich als Ja'nemiri vorgestellt hatte, zu, ihn zum Dorf zu bringen. Es erschien Tirion zwar etwas seltsam, dass das Mädchen nur von einem Dorf sprach, denn die Ebenen waren riesig, er stimmte jedoch augenblicklich zu, immerhin bewies das ruhige Verhalten des Wolfes, dass er am richtigen Ort war.
Ja’nemiri beantwortete keine der vielen Fragen, die der Fremde ihr stellte. Obwohl er nicht bedrohlich wirkte, traute sie ihm nicht. Sie hatte noch nie einen Magier getroffen. In ihrer Kindheit hatte sie jedoch von Thuli Geschichten gehört. Wären der Stamm nicht in Unruhe, hätte sie ihn gar nicht erst angesprochen, wäre mit ihrem Wolf davongeschlichen und der Junge hätte sie nie bemerkt. Schon immer mied der Stamm jeden Fremden, sollte sich jemand in die Ebene verirren. Doch die Zeiten waren schwierig. Finstere Mächte waren am Werk. Thuli hatte es in den Knochen gelesen und die Schamanin täuschte sich nie. Ausserdem waren Patrouillen in Osten angegriffen worden. Als die Sonne ihre letzten kräftigen Strahlen über die Hügel schichte kamen sie an der Grenze des Dorfes an. Es lag versteckt zwischen zwei länglich gezogenen, mit Büschen und Sträuchern bewachsenen Hügeln und war umgeben von kleinen Wäldern, welche den Blick auf den offenen Seiten versperrten. Die Hütten waren klein und gut isoliert, damit die Kälte, welche in der Nacht in die Mulde kroch, den Schlaf nicht störte. Es herrschte reger Betrieb und sie konnte das grosse Feuer durch den offenen Eingang des mittig gelegenen Gemeinschaftszelts flackern sehen. Ja’nemiri packte den verblüfft stehen gebliebenen Fremden am Umhang und schritt mit ihm unter den erstaunten Blicken der anderen auf das grosse Zelt zu.
