| Marc Pelzer | Fabian Wiestner
Der junge Magier Tirion fand sich vor einer Schlucht wieder. Er folgte der Strasse schon siebenundzwanzig Tage und es war ihm nicht entgangen, welche Schönheit in der Reise lag. Wälder, Ebenen und Berge konnte man entdecken und dabei stehts einen Fuss vor den anderen setzen.
Normale Leute hätten Angst, allein in diesen Zeiten auf der Strasse zu reisen, doch Tirion war keiner von ihnen. Er war ein Feuermagier. Schon als Kind fiel seinen Eltern auf, dass er anders war. Nachdem er in einige Unfälle verwickelt war, bei denen er unter anderem die Scheune der Familie in Brand setzte, gab ihn sein Vater bereitwillig an einen wandernden Magier ab, welcher ihn zur Schule der Feuermagie brachte. Diesen Hauptsitz der Feuermagiergilde hatte er schnell als neues Zuhause akzeptiert. Da er über grosses Talent verfügte, lernte er schnell und viel. Nun, zwei Jahre nach seiner Ausbildung konnte er mühelos Magie kanalisieren und kontrollieren, um damit leichter durch den Reisealltag zu kommen und sich gegebenenfalls verteidigen zu können. Auch wenn seine schlichte noch leicht knabenhafte Statur es nicht zu zeigen vermochte, so ging er doch mit einem ungeheuren Selbstvertrauen durch die Welt. Er mochte die Macht welche ihm die Magie verlieh und auch wenn er es seinen Eltern übel nahm, dass sie ihm fortgegeben hatten, war er dankbar dafür die Ausbildung zum Magier erhalten zu haben.
Tirion war auf dem Weg in den Norden. Während seinen Studien in der Gilde hatte er in einem der älteren Bücher gestöbert und gelesen, dass es dort wilde und magisch begabte Menschen mit besonderen Fähigkeiten gab. Zwar war über diese Leute nur sehr wenig bekannt aber das, sagte er sich, könne man ja ändern. Nun, da er wie die meisten Feuermagier frei durchs Land reiste, sehnte er sich nach nichts mehr, als diese zu treffen und alles über sie zu erfahren.
Der Wind heulte und sein charakteristisch roter Umhang flatterte durch die Luft. Für heute war er weit genug gelaufen, auch wenn es erst Nachmittag war. Tirion schaute sich um. Etwas abseits der Strasse erhob sich eine Felswand, unter der sich eine kleine natürliche Höhle gebildet hatte. Er schnappte sich etwas Holz, türmte es aufeinander und legte sorgfältig Steine in einem Kreis drumherum. Dann streckte er seine Hände in Richtung des Holzes. Er entspannte sich, sein Atem wurde regelmässig und verlangsamte sich. Etwas erwachte in ihm. Er spürte deutlich, wie es sich im Brustkorb ausbreitete und kribbelnd bis zu den Zehen und Fingern ausbreitete. Tirions Augen schlossen sich und er konzentrierte sich ganz auf das Kribbeln in seinem Körper. Er liess sich davon durchfluten, es intensiver werden. Dann zischte es leise und einen halben Moment später stand das Holz in Flammen. Es war keine grobe Flamme, die das Holz verschlang, sondern eine feine, gerade genug gross, um das Feuer dauerhaft brennen zu lassen. Er hatte an der Schule gelernt, dass Feuer alles verschlang wenn es nicht kontrolliert war. Es konnte gefährlich sein. Darin jedoch bestand seine grösste Stärke, Kontrolle. Das Lagerfeuer wärmte ihn und er lehnte sich zurück. Er lächelte zufrieden.
