| Marc Pelzer | Fabian Wiestner
Die letzten drei Tage hatte die sich Thuli nicht blicken lassen. Sie hatte sich in ihrer Hütte eingeschlossen und diskutierte von morgens früh bis abends spät mit den wichtigsten Stammesmitgliedern. Es war nun eine Woche seit der schrecklichen Nacht vergangen. Und obwohl die meisten Reparaturen im Dorf erledigt waren, kehrte die Normalität nicht zurück. Der Alltag bestand für die meisten Stammesmitglieder aus den wichtigsten Aufgaben, wie dem Bewachen des Dorfes, dem Jagen sowie dem Pflegen der Verletzen. Diese waren zugleich der Grund für die Diskussionen über eine Umsiedlung gewesen. Alle wussten, dass die Verletzungen nicht mit der hier vorhandenen Medizin versorgt werden konnten. Der Kampf hatte schlicht zu viele und zu schwer Verwundete hervorgebracht. Obwohl sich der Magier an der lebenserhaltenden Pflege beteiligte, standen die Chancen für die verwundeten Kämpfer schlecht. Besonders um Ja’nemeri kümmerte er sich mit besonderer Sorgfalt. Nicht nur freute sich das Mädchen darüber, die Leute betrachteten Tirion immer weniger als Fremden und vertrauten ihm langsam. Dadurch entstanden allmählich Gespräche, welche auf Ehrlichkeit beruhten und nicht mit Misstrauen durchtränkt waren. Das freute ihn sehr, denn es hatte ihn belastet, dass mehr oder weniger nur die Schamanin mit ihn geredet hatte. Diese würde bald darüber entscheiden, ob der Stamm ein weiteres Mal seine Heimat verlassen müsste, um einige der schwer Verwundeten zu retten. Andererseits würden manche von ihnen einen Transport in die nächsten grösseren Städte unter den harten Bedingungen der Reise nicht überstehen. Generell waren nicht mehr Viele vom nördlichen Stamm übriggeblieben, um die Hundert Menschen müssten es sein schätzte Tirion.
Thuli hatte sich entschieden. Sie hatte viele Meinungen gehört und Einwände berücksichtigt, doch wie so oft im Leben, gab es nicht die eine richtige Entscheidung. Der Stamm war nicht weiter als solches überlebensfähig, es waren zu viele der Kämpfer verwundet und schlicht zu wenig Überlebende. Daher würden sie das Dorf verlassen und in Richtung der nächsten Provinzhauptstadt ziehen. Diese war zugleich auch die Stadt, welche Thuli am besten kannte: Die freie Stadt Uduas. In ihrer Erinnerung war es immer ein gastfreundlicher und offener Ort gewesen. Die Reise dahin würde, in Anbetracht der Verletzten lange dauern, ausserdem war sie selbst ja nicht mehr die Jüngste.
Sie hatte das Dorf am späten Nachmittag zusammengerufen, sich hinsetzen lassen und erklärte nun den aufmerksamen Zuhörern, was auf sie zukommen würde.
“Ich danke euch allen für euren starken Einsatz. Die vergangenen Tage habe ich mich, wie ihr alle wisst, mit einigen von euch unterhalten. Es ist gefährlich geworden für uns, denn wir sind zu wenigen, um die aktuelle Lage zu meistern. Wir benötigen Hilfe. Als Kinder habt ihr gelernt euch zu verstecken und die Welt zu meiden und wir hatten damals guten Grund so zu leben. Doch diese Zeit ist nun vorbei, die Welt hat uns eingeholt. Wir werden nach Uduas reisen. Das ist eine Stadt im Westen, die uns hoffentlich aufnehmen wird.” Ein Raunen ging durch die Menge und augenblicklich prassten Fragen auf die Schamanin ein. Mit Ausdauer und Verständnis versuchte sie all diese zu beantworten.
Vier Tage hatte es gebraucht, das Nötigste auf die vielen grossen und kleinen Wagen zu packen, welche nun in einer langen Kolonne vor dem Dorf standen. Die mit Fellen, Leder oder Stofftüchern überzogenen Wagen waren teils mit Nahrung oder Werkzeug gefüllt, teils hatten sie Liegen montiert, auf denen jene lagen, die nicht laufen konnten. Alles, was nötig für das Überleben auf der Reise war, hatten die Dorfbewohner auf die kleineren Wagen gepackt, sodass sie leicht zu erreichen waren. So türmten sich Hacken, Schaufeln, Eimer und Kochtöpfe aufeinander und klirrten im Rhythmus der Steine auf dem natürlichen Pfad. Die Stimmung der Marschierenden war hoffnungsvoll, jedoch waren, vor allem die Alten mürrisch. Weit vorne im Tross ging Tirion neben einem kleinen Wagen, der von einem mächtigen Hirsch gezogen wurde. Auch wenn er sich ein wenig an die vielen Wildtiere im Umfeld gewöhnt hatte, war der Anblick des Trosses kurios. Er hatte sich die letzten Tage viel mit Ja’nemeri unterhalten können. Das Mädchen hatte ihm geholfen die Bindung und Kontrolle zwischen den Gefährten zu verstehen, während sie sich erholt hatte. Tirion hatte sein Bestes gegeben, um die Magie hinter der Tier-Mensch-Bindung zu begreifen, jedoch war der Erfolg nur mässig gewesen. Langsam, aber stetig kam die lange Kolonne von Wagen der westlichen Grenze der Ebene näher. Tirion hatte beschlossen den Stamm dort zu verlassen. Obwohl er still und heimlich verschwinden wollte, war es angebracht sich bei einigen zu verabschieden. In den letzten Wochen hatte er sich mit einigen Leuten angefreundet. Er viel deshalb etwas zurück als sie sich weiter der Grenze näherten, suchte die Leute im Tross auf und wünschte ihnen lebe Wohl. Dann machte er sich auf zum dritten Wagen. Er hob den Vorhang zur Seite, welcher den Eingang wie eine Tür verschloss. Eigentlich erwartete er das Mädchen darin zu finden, doch war weder sie noch ihr Wolf auf dem Fahrwerk zu sehen. Fast fühlte es sich erleichternd an, denn Tirion hatte befürchtet, dass eine Verabschiedung unangenehm würde, zumal er Verabschiedungen generell nicht mochte.
Schliesslich machte er sich an die Spitze auf, an der Thuli auf einem kleinen Wagen fuhr, begleitet von K’sar dem Kämpfer und dem Mann mit dem Falken auf der Schulter. Nach einer Danksagung und Glückwünschen war es gerade dieser Mann, der ihn etwas abseits des Trosses brachte. Er führte ihn zu einem verborgenen Pfad, der sich nach Süden schlängelte, wohin Tirion zu gehen beschlossen hatte. Dann reichte er ihm die Hand: “Wir werden nicht vergessen, was du für uns getan hast, Tirion Magier der Feuergilde. Solltest du uns eines Tages brauchen, werden wir da sein, so wie du es warst an unserer Seite.” “Danke, das weiss ich zu schätzen!”, antwortete Tirion, blickte auf und ergriff stolz die zu ihm ausgestreckte Hand.
Es dauerte nicht lange, da war der Mann, ohne das kleineste Geräusch von sich zu geben verschwunden. Nur mit ganz viel Anstrengung waren der Tross irgendwo in der Ebene zu erahnen. Tirion atmete durch, dehnte sich und schritt dann los. Nach einigen Schritten stoppte er jedoch schlagartig wieder. Er liess einen feinen Strahl von Flammen über sich gleiten und einen Schriftzug bilden: Ich sehe dich.
Gelassen drehte er sich mit breitem Grinsen um. Ja’nemeri grinste zurück, ihr Wolf heulte leise. “Wo gehen wir hin?”, fragte sie mit aufgeregter Stimme.
Thuli hatte sich entschieden. Sie hatte viele Meinungen gehört und Einwände berücksichtigt, doch wie so oft im Leben, gab es nicht die eine richtige Entscheidung. Der Stamm war nicht weiter als solches überlebensfähig, es waren zu viele der Kämpfer verwundet und schlicht zu wenig Überlebende. Daher würden sie das Dorf verlassen und in Richtung der nächsten Provinzhauptstadt ziehen. Diese war zugleich auch die Stadt, welche Thuli am besten kannte: Die freie Stadt Uduas. In ihrer Erinnerung war es immer ein gastfreundlicher und offener Ort gewesen. Die Reise dahin würde, in Anbetracht der Verletzten lange dauern, ausserdem war sie selbst ja nicht mehr die Jüngste.
Sie hatte das Dorf am späten Nachmittag zusammengerufen, sich hinsetzen lassen und erklärte nun den aufmerksamen Zuhörern, was auf sie zukommen würde.
“Ich danke euch allen für euren starken Einsatz. Die vergangenen Tage habe ich mich, wie ihr alle wisst, mit einigen von euch unterhalten. Es ist gefährlich geworden für uns, denn wir sind zu wenigen, um die aktuelle Lage zu meistern. Wir benötigen Hilfe. Als Kinder habt ihr gelernt euch zu verstecken und die Welt zu meiden und wir hatten damals guten Grund so zu leben. Doch diese Zeit ist nun vorbei, die Welt hat uns eingeholt. Wir werden nach Uduas reisen. Das ist eine Stadt im Westen, die uns hoffentlich aufnehmen wird.” Ein Raunen ging durch die Menge und augenblicklich prassten Fragen auf die Schamanin ein. Mit Ausdauer und Verständnis versuchte sie all diese zu beantworten.
Vier Tage hatte es gebraucht, das Nötigste auf die vielen grossen und kleinen Wagen zu packen, welche nun in einer langen Kolonne vor dem Dorf standen. Die mit Fellen, Leder oder Stofftüchern überzogenen Wagen waren teils mit Nahrung oder Werkzeug gefüllt, teils hatten sie Liegen montiert, auf denen jene lagen, die nicht laufen konnten. Alles, was nötig für das Überleben auf der Reise war, hatten die Dorfbewohner auf die kleineren Wagen gepackt, sodass sie leicht zu erreichen waren. So türmten sich Hacken, Schaufeln, Eimer und Kochtöpfe aufeinander und klirrten im Rhythmus der Steine auf dem natürlichen Pfad. Die Stimmung der Marschierenden war hoffnungsvoll, jedoch waren, vor allem die Alten mürrisch. Weit vorne im Tross ging Tirion neben einem kleinen Wagen, der von einem mächtigen Hirsch gezogen wurde. Auch wenn er sich ein wenig an die vielen Wildtiere im Umfeld gewöhnt hatte, war der Anblick des Trosses kurios. Er hatte sich die letzten Tage viel mit Ja’nemeri unterhalten können. Das Mädchen hatte ihm geholfen die Bindung und Kontrolle zwischen den Gefährten zu verstehen, während sie sich erholt hatte. Tirion hatte sein Bestes gegeben, um die Magie hinter der Tier-Mensch-Bindung zu begreifen, jedoch war der Erfolg nur mässig gewesen. Langsam, aber stetig kam die lange Kolonne von Wagen der westlichen Grenze der Ebene näher. Tirion hatte beschlossen den Stamm dort zu verlassen. Obwohl er still und heimlich verschwinden wollte, war es angebracht sich bei einigen zu verabschieden. In den letzten Wochen hatte er sich mit einigen Leuten angefreundet. Er viel deshalb etwas zurück als sie sich weiter der Grenze näherten, suchte die Leute im Tross auf und wünschte ihnen lebe Wohl. Dann machte er sich auf zum dritten Wagen. Er hob den Vorhang zur Seite, welcher den Eingang wie eine Tür verschloss. Eigentlich erwartete er das Mädchen darin zu finden, doch war weder sie noch ihr Wolf auf dem Fahrwerk zu sehen. Fast fühlte es sich erleichternd an, denn Tirion hatte befürchtet, dass eine Verabschiedung unangenehm würde, zumal er Verabschiedungen generell nicht mochte.
Schliesslich machte er sich an die Spitze auf, an der Thuli auf einem kleinen Wagen fuhr, begleitet von K’sar dem Kämpfer und dem Mann mit dem Falken auf der Schulter. Nach einer Danksagung und Glückwünschen war es gerade dieser Mann, der ihn etwas abseits des Trosses brachte. Er führte ihn zu einem verborgenen Pfad, der sich nach Süden schlängelte, wohin Tirion zu gehen beschlossen hatte. Dann reichte er ihm die Hand: “Wir werden nicht vergessen, was du für uns getan hast, Tirion Magier der Feuergilde. Solltest du uns eines Tages brauchen, werden wir da sein, so wie du es warst an unserer Seite.” “Danke, das weiss ich zu schätzen!”, antwortete Tirion, blickte auf und ergriff stolz die zu ihm ausgestreckte Hand.
Es dauerte nicht lange, da war der Mann, ohne das kleineste Geräusch von sich zu geben verschwunden. Nur mit ganz viel Anstrengung waren der Tross irgendwo in der Ebene zu erahnen. Tirion atmete durch, dehnte sich und schritt dann los. Nach einigen Schritten stoppte er jedoch schlagartig wieder. Er liess einen feinen Strahl von Flammen über sich gleiten und einen Schriftzug bilden: Ich sehe dich.
Gelassen drehte er sich mit breitem Grinsen um. Ja’nemeri grinste zurück, ihr Wolf heulte leise. “Wo gehen wir hin?”, fragte sie mit aufgeregter Stimme.
